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Drei Gläser Genever und ein Speculaas auf einem Cafétisch in einer flämischen Altstadt
Stadt · Flandern · Limburg

Hasselt: Genever, Japangarten und Mode in Limburg

Hasselt ist die Hauptstadt der flämischen Provinz Limburg und die Stadt des Genevers, mit einem Museum in einer Brennerei aus dem 19. Jahrhundert und einem Stadtfest, das 2026 rund 145.000 Menschen anzog. Dazu kommen ein Japanischer Garten, der sich als größter Europas bezeichnet, ein Modemuseum und ein Stadtpass, der sich schon ab zwei Museen rechnet.

90.249
Einwohner (2025)
1601
Brennverbot, das Hasselt nicht galt
2,5 ha
Japanischer Garten
18 €
HasPas für alle Museen

Im Jahr 1601 verboten die Erzherzöge Albrecht und Isabella in den Südlichen Niederlanden, Branntwein aus Getreide, Obst oder Gemüse zu brennen und zu verkaufen. Getreide sei für Brot da, nicht für Schnaps. In Hasselt brannte man einfach weiter. Die Stadt gehörte bis 1795 nicht zu den Südlichen Niederlanden, sondern zum Fürstbistum Lüttich, und für das galt das Verbot nicht.

Aus diesem Schlupfloch wurde eine Identität. Hasselt betreibt heute ein Museum in einer denkmalgeschützten Brennerei und feiert jeden Oktober ein Stadtfest um das kleine Glas. Wer nur deswegen kommt, verpasst allerdings die Hälfte: Hasselt hat ein eigenes Modemuseum, einen Japanischen Garten von zweieinhalb Hektar und eine kompakte Innenstadt, die sich gut zu Fuß erkunden lässt.

RegionHauptstadt der Provinz Limburg in Flandern
Einwohnerrund 90.249 (Statbel, 1. Jänner 2025)
SpracheNiederländisch
JenevermuseumWitte Nonnenstraat 19, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, 10 Euro
ModemuseumGasthuisstraat 11, 10 bis 17 Uhr, 10 Euro
Japanischer Garten1. März bis 31. Oktober 2026, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, 7 Euro
HasPas18 Euro für sechs Museen und den Garten, gültig bis 31. März 2027
Jeneverfeestennächste Ausgabe am 16. und 17. Oktober 2027
Winterland13. November 2026 bis 3. Jänner 2027, Eintritt frei
TourismusbüroVisit Hasselt, Maastrichterstraat 59

Wie Hasselt zur Geneverstadt wurde

Genever ist laut dem Jenevermuseum seit mehr als 500 Jahren das Nationalgetränk Belgiens, der Niederlande und Französisch-Flanderns. Im 16. Jahrhundert wurde Kornbranntwein populär, oft mit Wacholderbeeren aromatisiert, denen man Heilkräfte zuschrieb. Die Obrigkeit hatte zu diesem Getränk stets ein zwiespältiges Verhältnis: Es brachte Steuern und gefährdete die Volksgesundheit. 1601 setzte sich die Sorge durch.

Hasselt profitierte doppelt. Zum Verbot, das an der Stadtgrenze endete, kam von 1675 bis 1681 die Besatzung durch eine holländische Garnison, in der die Geneverproduktion richtig in Gang kam. Dass Hasselter Genever stärker als andere belgische Sorten mit Kräutern, Beeren und Samen gewürzt wird, führt das Museum wahrscheinlich auf diesen holländischen Einfluss zurück. Unter österreichischer Herrschaft, von 1713 bis 1794, war das Brennen in den Südlichen Niederlanden wieder erlaubt und wurde sogar gefördert, außer in Zeiten knappen Getreides. Der Grund war weniger der Schnaps als die Schlempe: Der Rückstand aus der Destillation diente im Winter als Viehfutter.

Im 19. Jahrhundert erreichte die belgische Produktion mit Dampfmaschinen und Destillierkolonnen ungekannte Höhen, und billiger Genever wurde zum sozialen Problem. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts tranken die Belgier laut Museum 9,5 Liter Genever mit 50 Prozent pro Kopf und Jahr. Im Ersten Weltkrieg beschlagnahmten die deutschen Besatzer die kupfernen Brennkessel für Munition. 1919 folgte das Gesetz Vandervelde, das den Ausschank von Spirituosen in öffentlichen Lokalen verbot und den Verkauf nur ab zwei Litern auf einmal erlaubte. Für Arbeiter war das unbezahlbar, der Konsum brach ein. Seit dem 15. Jänner 2008 ist Genever eine geschützte geografische Angabe der EU: Nur Belgien, die Niederlande, zwei nordfranzösische Departements und zwei deutsche Bundesländer dürfen ihn so nennen.

Das Jenevermuseum in der alten Brennerei

Das Museum sitzt in der ehemaligen Brennerei Stellingwerff-Theunissen in der Witte Nonnenstraat. Ursprünglich war der Hof ein Klosterbauernhof der Weißen Nonnen, nach der Enteignung unter französischer Besatzung richtete J. A. S. Bamps darin eine Brennerei ein. Als nach dem Tod der Witwe Theunissen 1971 der Verfall drohte, stellte ein königlicher Erlass den Komplex im August 1975 unter Schutz, als erstes industriearchäologisches Denkmal Flanderns. Die Stadt kaufte ihn 1979, am 16. September 1987 öffnete hier das Nationale Jenevermuseum.

Der Rundgang führt vom Ochsenstall über die Abfüllerei und den Brennsaal zum Keimboden, durch die Wohnräume der Brennerfamilien bis in die Scheune. Die Brennanlage aus dem 19. Jahrhundert ist noch in Betrieb, das Haus brennt seinen eigenen Genever. Zur Sammlung gehören 2.150 Glasflaschen und 750 Steinkrüge, an der Bar stehen rund 130 Geneversorten. Ein Getränk ist im Eintritt enthalten: 10 Euro für Erwachsene von 26 bis 65 Jahren, 6 Euro von 19 bis 25, 8 Euro ab 65, bis 18 Jahre frei (ohne Getränk). Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16.15 Uhr (Stand Oktober 2026). Vom Bahnhof gehen Sie laut Museum 15 Minuten.

Die Jeneverfeesten im Oktober

Am dritten Oktoberwochenende feiert die Innenstadt ihren Genever. 2026 kamen laut Veranstalter am 17. und 18. Oktober rund 145.000 Besucher, so viele wie nie. Im Museum stellt das Haus am Samstag seinen frisch gebrannten Hausgenever und einen neuen Genever-Botschafter vor, am Sonntag wird der Innenhof zur Bühne für Theater, Akrobatik und Musik. Im Brennsaal können Sie dem Brenner beim Feinbrand zusehen.

Was ins Glas kommt, reicht vom klassischen Hasselter „Witteke“ bis zum Fruchtgenever. Den „Hasseltse Koffie“, einen Likör aus Kaffeeextrakt und Hasselter Genever, empfiehlt Visit Hasselt in den Cafés rund um den Grote Markt.

Der Japanische Garten und die Steine aus Österreich

1985 schlossen Hasselt und die japanische Stadt Itami bei Osaka eine Städtefreundschaft. Hasselt schenkte Itami ein Turmglockenspiel, Itami schlug im Gegenzug einen Japanischen Garten vor und brachte den Großteil des Geldes über japanische Unternehmen auf, den Rest deckte Hasselt mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Der Architekt Inoue Takayuki wählte eine ehemalige Weide aus, und aus dem kleinen Stadtgarten wurden 2,5 Hektar.

Für die Gebäude kam das gesamte Material aus Japan, ausgenommen Stromleitungen, Alarmanlage und Sanitär. Die Steine dagegen stammen laut Japanischem Garten aus Österreich. Nach 250 Arbeitstagen wurde der Garten am 20. November 1992 eröffnet. Er bezeichnet sich als größten seiner Art in Europa. Seit 2016 hängt dort eine Friedensglocke, und zum Saisonende zeigt das Chrysanthemenfest Kikumatsuri, das 2026 vom 17. bis 25. Oktober lief, warum die Blume in Japan kaiserliches Symbol ist.

Wichtig für die Planung: Der Garten ist nur saisonal geöffnet, 2026 vom 1. März bis 31. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro, ab 65 Jahren 5 Euro, Schüler ab 12 und Studierende zahlen 1 Euro, Kinder bis 11 Jahre nichts. Die Kirschblüte fällt laut Visit Hasselt meist in den März oder April, dann ist es im Garten wie an Wochenenden oft sehr voll.

Mode, Kunst und ein Beginenhof

Das Modemuseum Hasselt in der Gasthuisstraat 11 erzählt die westliche Mode von 1750 bis heute, allerdings ohne Dauerausstellung: Es zeigt zwei große Schauen pro Jahr. Bis 31. Jänner 2027 läuft „Memory is Home“ mit Geschichten von Raf Simons, Olivier Rizzo, Hannelore Knuts, Inge Grognard und anderen Namen der Modewelt, die eine enge Verbindung zu Limburg haben. Erwachsene zahlen 10 Euro, 12- bis 26-Jährige 6 Euro, Kinder unter 12 nichts. Das Gebäude ist das alte Gasthuis, in dem das Jenevermuseum 1982 seine ersten Jahre verbrachte. Wer die belgische Modegeschichte vertiefen will: Mehr zu den Antwerp Six →

Gleich in der Nähe liegt am Beginenhof das Kunstenhuis Z33, ein Haus für aktuelle Kunst, Design und Architektur in der Bonnefantenstraat 1. Die Geschichte der Stadt erzählt Het Stadsmus in der Guido Gezellestraat 2, das an jedem ersten Samstag im Monat eine Führung durch den Beiaardturm anbietet. Zum Glockenturm der St.-Quintinus-Kathedrale führen laut Visit Hasselt 168 Stufen hinauf, oben warten die beste Aussicht über die Stadt und eine Ausstellung über Uhren und Glockenspiele. Mehr als 100 Graffiti und Street-Art-Werke verteilen sich über das Stadtgebiet.

Speculaas und eine Praline mit Wacholder

Das Hasselter Speculaas hat mit dem dünnen Spekulatius wenig gemein. Es ist rund einen Zentimeter dick, außen knusprig, innen weich, und Visit Hasselt nennt die Bäckereien Depaifve, Cools und Bakkersdochter als Adressen. Das Schokoladenhaus Boon hat die Stadt in eine Praline übersetzt: Haselnusspraliné, Speculaas und Wacholderbeere, Letztere als Gruß an den Genever.

Pukkelpop, Winterland und die Abtei Herkenrode

Pukkelpop zieht laut Visit Hasselt rund 180.000 Musikfans auf das Festivalgelände in Kiewit am Stadtrand, vier Tage lang und seit 1985. Im Winter wird Hasselt zum Weihnachtsort: Winterland öffnet vom 13. November 2026 bis 3. Jänner 2027 bei freiem Eintritt, mit überdachter Eisbahn, Riesenrad, Weihnachtsmarkt und einer Almhütte, die laut Veranstalter mit österreichischer Stimmung wirbt. Die Stadt kündigt vom 2. November bis 10. Jänner Verkehrsmaßnahmen rund um das Gelände an.

Ruhiger ist es in der Abtei Herkenrode kurz außerhalb der Stadt, einem Kulturerbe auf 100 Hektar Grün mit Kräutergarten und Besucherzentrum. Von dort führen Wander- und Radwege ins Naturgebiet De Wijers, das sich das Land der 1001 Teiche nennt.

Was der Besuch kostet: der HasPas gegen Einzeltickets

Der HasPas kostet 18 Euro und gilt vom 6. März 2026 bis 31. März 2027. Er umfasst das Jenevermuseum, das Modemuseum, Z33, den Japanischen Garten, die Villa Verbeelding und Het Stadsmus, dazu zehn Gutscheine bei Läden und Lokalen, etwa eine Hasselter Praline bei Boon oder ein Herkenrode-Bier. Die Rechnung für Erwachsene zwischen 26 und 65 Jahren:

EintrittEinzeln
Jenevermuseum (mit Getränk)10 Euro
Modemuseum Hasselt10 Euro
Japanischer Garten (März bis Oktober)7 Euro
Summe der drei27 Euro
HasPas, alle sechs Häuser18 Euro

Der Pass rechnet sich also schon mit den beiden großen Museen, die zusammen 20 Euro kosten. Im Winter, wenn der Japanische Garten geschlossen ist, bleibt er mit Z33, Het Stadsmus und der Villa Verbeelding trotzdem günstiger. Nicht lohnend ist er nur für Kinder und Jugendliche, die in den Museen ohnehin wenig oder nichts zahlen. Verkauft wird der HasPas bei Visit Hasselt in der Maastrichterstraat 59, in den Museen, im Japanischen Garten und in mehreren Hotels.

Anreise aus Österreich

Mit dem ÖBB Nightjet kommen Sie über Nacht von Wien nach Brüssel und fahren von dort mit dem Zug nach Hasselt, wo der Bahnhof zu Fuß vom Zentrum erreichbar ist. Wer fliegt, hat laut Visit Hasselt drei Flughäfen zur Wahl: Brüssel-Zaventem, Lüttich und Maastricht. Wer mit dem Auto anreist, parkt laut Visit Hasselt im Parkhaus Quartier Bleu für 12 Euro pro Tag und ist in zehn Minuten am Grote Markt. Für eine längere Belgienreise liegen Löwen und Lüttich in der Nähe.