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Belgisches

Belgisches Bier – UNESCO-Weltkulturerbe

Belgien ist das Bierland schlechthin. Mit über 1.500 verschiedenen Biersorten, mehr als 300 aktiven Brauereien und einer Brautradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht, hat das kleine Land eine Bierkultur hervorgebracht, die 2016 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt wurde. Nirgendwo sonst auf der Welt findet man eine solche Vielfalt an Stilen, Aromen und Braumethoden auf so engem Raum. Die Anerkennung durch die UNESCO bezieht sich dabei nicht nur auf das Brauen selbst, sondern auf die gesamte belgische Bierkultur: die Herstellung, die Wertschätzung, die Rolle des Bieres in der Gesellschaft und die Weitergabe des Wissens von Generation zu Generation.

Belgien hat pro Kopf zwar nicht den höchsten Bierkonsum der Welt, dafür aber die mit Abstand höchste Dichte an eigenständigen Bierstilen. Während in vielen Ländern ein oder zwei Stile dominieren, bieten belgische Brauer ein unvergleichliches Spektrum: von leichten Tafelbieren mit niedrigem Alkoholgehalt bis zu schweren Quadrupeln mit über 12 Prozent, von knochentrockenem Lambic bis zu süßen Fruchtbieren, von würzigen Saisons bis zu malzbetonten dunklen Ales. Diese Vielfalt ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, in der regionale Traditionen, klösterliche Braukunst und individueller Erfindergeist zusammenwirkten.

UNESCO-Anerkennung 2016 – Immaterielles Kulturerbe der Menschheit
Biersorten Über 1.500 verschiedene Biere
Aktive Brauereien Mehr als 300 (davon rund 150 Mikrobrauereien)
Trappisten-Klöster 6 belgische Trappistenbrauereien
Älteste aktive Brauerei Brouwerij Het Anker, Mechelen (gegr. 1471)
Größter Braukonzern AB InBev (Sitz in Löwen), weltweit größter Brauereikonzern
Bekannteste Bierstile Trappist, Lambic, Gueuze, Witbier, Saison, Belgian Strong Ale
Jährliche Produktion Rund 18 Millionen Hektoliter

Die sechs belgischen Trappistenbrauereien

Trappistenbiere gehören zu den berühmtesten Bieren der Welt. Um das geschützte Siegel „Authentic Trappist Product" tragen zu dürfen, muss ein Bier drei strenge Kriterien erfüllen: Es muss innerhalb der Klostermauern oder in unmittelbarer Nähe gebraut werden, die Mönchsgemeinschaft muss die Brauerei beaufsichtigen und die Erlöse müssen dem Kloster oder sozialen Zwecken zugutekommen. Weltweit gibt es nur wenige anerkannte Trappistenbrauereien, und sechs davon befinden sich in Belgien.

Chimay

Die Abbaye Notre-Dame de Scourmont in der Provinz Hennegau braut seit 1862. Chimay bietet drei Hauptsorten: Rouge (Dubbel), Bleue (Strong Dark Ale) und Triple (Belgisches Triple). Chimay ist die kommerziell erfolgreichste Trappistenbrauerei und produziert auch hervorragenden Trappistenkäse.

Orval

Die Abtei von Orval in der Provinz Luxemburg braut nur ein einziges reguläres Bier – und dieses ist einzigartig. Orval verwendet Brettanomyces-Hefen für eine Trockenfermentation, die dem Bier seinen charakteristischen, trockenen und komplexen Geschmack verleiht. Das Bier reift nach und entwickelt sich über Monate hinweg in der Flasche weiter.

Rochefort

Die Abbaye Notre-Dame de Saint-Rémy in Rochefort braut drei dunkle, malzbetonte Biere: Rochefort 6, 8 und 10 – die Zahlen bezeichnen den ursprünglichen Stammwürzegrad in belgischen Grad. Rochefort 10 gehört zu den am höchsten bewerteten Bieren weltweit und beeindruckt mit Aromen von Feigen, dunkler Schokolade und Karamell.

Westmalle

Die Abtei der Trappisten von Westmalle bei Antwerpen gilt als Erfinderin der Stilbezeichnungen Dubbel und Tripel. Das Westmalle Tripel mit seinem goldenen Farbton und den fruchtigen Hefearomen setzte den Standard, an dem sich unzählige Nachahmer messen. Im Klostercafé kann man die Biere direkt neben der Brauerei genießen.

Westvleteren

Die Abtei Sint-Sixtus in Westvleteren braut die wohl exklusivsten Biere Belgiens. Westvleteren 12 wird regelmäßig als eines der besten Biere der Welt bewertet. Die Mönche verkaufen ihr Bier ausschließlich ab Kloster und nur nach telefonischer Reservierung. Dieses Prinzip unterstreicht, dass der wirtschaftliche Gewinn nicht im Vordergrund steht.

Achel

Die Achelse Kluis in der Provinz Limburg war die jüngste belgische Trappistenbrauerei. Sie braute seit 1998 Blond und Bruin in verschiedenen Stärken. 2021 verlor Achel das Trappisten-Siegel, da die letzten Mönche das Kloster verließen und die Brauerei nicht mehr unter klösterlicher Aufsicht stand – ein historischer Einschnitt in der Trappistenwelt.

Abteibiere – klösterliche Tradition ohne strenge Regeln

Neben den echten Trappistenbieren gibt es in Belgien eine große Zahl von Abteibieren (Abdijbieren). Diese werden unter dem Namen einer Abtei vermarktet, aber nicht notwendigerweise im Kloster selbst gebraut. Oft handelt es sich um Lizenzproduktionen kommerzieller Brauereien, die eine historische Verbindung zu einem Kloster pflegen oder dessen Namen verwenden. Bekannte Beispiele sind Leffe (gebraut von AB InBev), Grimbergen, Affligem und Maredsous. Die Qualität dieser Biere variiert stark, doch die besten Abteibiere stehen den Trappisten in nichts nach. Das belgische Siegel „Erkend Belgisch Abdijbier" garantiert eine tatsächliche Verbindung zu einer bestehenden oder ehemaligen Abtei.

Lambic und spontane Gärung

Lambic ist einer der ältesten und faszinierendsten Bierstile der Welt. Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Bieren, die mit kontrolliert zugesetzter Hefe vergoren werden, entsteht Lambic durch spontane Gärung. Die heiße Bierwürze wird in flache Kupferkessel – sogenannte Koelschepen – gepumpt und über Nacht den wilden Hefen und Bakterien der Umgebungsluft ausgesetzt. Dieser Prozess funktioniert nur im Senne-Tal südwestlich von Brüssel, im sogenannten Pajottenland, wo die einzigartige Zusammensetzung der lokalen Mikroflora ideale Bedingungen schafft.

Nach der spontanen Infektion reift das Lambic ein bis drei Jahre in Eichenfässern. Das Ergebnis ist ein trockenes, säuerliches Bier mit komplexen Aromen, die an Zitrusfrüchte, Pferdedecke und Sherry erinnern können. Lambic bildet die Grundlage für mehrere weitere Bierstile:

Gueuze

Gueuze entsteht durch das Verschneiden von jungem (ein Jahr) und altem (zwei bis drei Jahre) Lambic. Die Mischung wird in Champagnerflaschen abgefüllt, wo eine Nachgärung einsetzt. Das Ergebnis ist ein perlendes, trockenes Bier mit intensiver Säure und Tiefe – oft als der Champagner unter den Bieren bezeichnet.

Kriek

Traditionelle Kriek wird durch Einlegen ganzer Sauerkirschen (Schaarbeekse Krieken) in Lambic hergestellt. Die Kirschen gären im Bier und verleihen ihm eine leuchtend rote Farbe, dezente Frucht und zusätzliche Säure. Industrielle Versionen verwenden oft Sirup, doch die traditionelle Kriek ist ein trockenes, komplexes Getränk weit entfernt von süßer Limonade.

Framboise & Fruchtlambic

Neben Kirschen werden auch Himbeeren (Framboise), Trauben (Druif), Pfirsiche und andere Früchte in Lambic eingelegt. Die besten Versionen stammen von traditionellen Lambic-Brauereien wie Cantillon, 3 Fonteinen und Tilquin, die ausschließlich mit echten Früchten und ohne Zuckerzusatz arbeiten.

Brouwerij Cantillon – lebendes Museum in Brüssel

Die 1900 gegründete Brouwerij Cantillon im Brüsseler Stadtteil Anderlecht ist die letzte aktive Lambic-Brauerei innerhalb der Hauptstadt und zugleich ein öffentlich zugängliches Museum. Besucher können den gesamten Brauprozess besichtigen – von der Koelschip über die Fasslagerhallen bis zur Abfüllung. Cantillon braut ausschließlich nach traditionellen Methoden, ohne Pasteurisierung und ohne künstliche Zusätze. Die Brauerei ist ein Pilgerort für Bierkenner aus aller Welt und veranstaltet jährlich den legendären Zwanze Day, bei dem ein spezielles Bier weltweit in ausgewählten Lokalen gleichzeitig ausgeschenkt wird.

Flämische Rot- und Braunbiere

Die flämischen Sauerbiere bilden eine eigene Familie innerhalb der belgischen Bierlandschaft. Flämische Rotbiere (Vlaamse Rode Ales), deren bekanntestes Beispiel Rodenbach Grand Cru ist, reifen in großen Eichenfässern und entwickeln eine ausgeprägte Essigsäure, die an Balsamico erinnert. Sie stammen vorwiegend aus der Region um Roeselare in Westflandern. Flämische Braunbiere (Oud Bruin) aus der Region um Oudenaarde in Ostflandern sind dagegen stärker malzbetont und weisen eine mildere, eher milchsäurebetonte Säure auf. Bekannte Vertreter sind Liefmans Goudenband und Petrus Oud Bruin. Beide Stile verbinden Süße und Säure zu einem komplexen Geschmackserlebnis.

Witbier – das Weizenbier aus Hoegaarden

Das belgische Witbier (Weißbier) hat eine dramatische Geschichte der Wiedergeburt. Bis in die 1950er Jahre war das trübe Weizenbier mit Koriander und Orangenschalen in der Region um Hoegaarden weit verbreitet. Als die letzte Brauerei 1957 schloss, schien der Stil ausgestorben. Pierre Celis, ein ehemaliger Milchmann, rettete die Tradition, indem er 1966 in Hoegaarden eine neue Brauerei gründete und das Witbier nach den überlieferten Rezepten wiederbelebte. Heute ist Hoegaarden eines der meistgetrunkenen belgischen Biere weltweit. Witbier zeichnet sich durch seinen erfrischend leichten Körper, die angenehme Trübung durch ungemälzten Weizen und die subtilen Gewürznoten aus.

Saison – das Saisonbier der wallonischen Bauernhöfe

Saison ist ein historischer Bierstil aus der Wallonie, der ursprünglich auf Bauernhöfen gebraut wurde, um die Saisonarbeiter (les saisonniers) während der Erntezeit zu versorgen. Traditionell war Saison ein leichtes, erfrischendes Bier mit niedrigem Alkoholgehalt, das im Winter gebraut und im Sommer getrunken wurde. Heute variiert der Stil erheblich: Von trockenen, pefferig-würzigen Varianten wie der legendären Saison Dupont bis zu stärkeren Interpretationen. Charakteristisch bleiben die hohe Kohlensäure, die fruchtig-würzigen Hefearomen und die knochentrocke Trockenheit im Abgang. Die Craft-Beer-Bewegung hat den Saison-Stil international populär gemacht.

Belgian Strong Ales – Kraftvoll und komplex

Belgien ist berühmt für seine starken Ales, die trotz ihres hohen Alkoholgehalts erstaunlich trinkbar bleiben. Belgische Brauer beherrschen die Kunst, den Alkohol harmonisch in das Gesamtaromenprofil zu integrieren, sodass selbst Biere mit 8 bis 12 Prozent nicht brandig oder schwer wirken.

Duvel

Duvel (flämisch für Teufel) ist das Paradebeispiel eines Belgian Strong Golden Ale. Mit 8,5 Prozent Alkohol, goldblonder Farbe und einer beeindruckenden weißen Schaumkrone vereint Duvel fruchtige Aromen, leichte Bitterkeit und eine gefährlich leichte Trinkbarkeit. Die Brauerei Duvel Moortgat in Breendonk bei Mechelen vergärt das Bier in drei Stufen und lagert es 90 Tage.

Delirium Tremens

Das Bier mit dem rosa Elefanten auf dem Etikett wurde 1989 von der Brouwerij Huyghe in Melle bei Gent eingeführt. Delirium Tremens verwendet drei verschiedene Hefen und besticht durch sein komplexes Aromenprofil aus Gewürzen, Zitrusfrüchten und Malz bei 8,5 Prozent Alkohol. Das zugehörige Delirium Café in Brüssel hält einen Weltrekord für das größte Bierangebot.

Belgische Tripels & Quadrupel

Tripel bezeichnet ein starkes, goldblondes Klosterbier mit typisch 8 bis 9,5 Prozent Alkohol, geprägt von fruchtigen Hefeestern und einer trockenen Bitterkeit. Quadrupel (auch Grand Cru) sind die kräftigsten Klosterbiere mit 10 bis 12 Prozent, dunkel und malzbetont mit Aromen von Rosinen, Pflaumen und Karamell. Beide Stile eignen sich hervorragend zur Reifung über mehrere Jahre.

Belgische Pilsner – Alltagsbiere der Nation

Trotz der beeindruckenden Vielfalt an Spezialbieren dominieren im belgischen Alltag zwei Pilsnermarken: Jupiler und Stella Artois. Jupiler, gebraut in Jupille bei Lüttich, ist das meistverkaufte Bier Belgiens und Sponsor der ersten belgischen Fußballliga (Jupiler Pro League). Stella Artois aus Löwen hat sich dagegen zu einer der bekanntesten Biermarken der Welt entwickelt. Beide gehören zum Konzern AB InBev, dem mit Abstand größten Brauereikonzern der Welt, der seinen Hauptsitz in Löwen hat. AB InBev entstand aus der Fusion der belgischen Interbrew mit der brasilianischen AmBev und der amerikanischen Anheuser-Busch.

Geschichte der belgischen Brautradition

Die belgische Braugeschichte reicht mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück, als Klostergemeinschaften das Brauen als Handwerk etablierten. Mönche brauten Bier als sicheres, nahrhaftes Getränk – in einer Zeit, in der Trinkwasser oft verunreinigt war. Im Spätmittelalter entstanden in den flämischen Städten Gildenbrauereien, die unter strenger städtischer Kontrolle arbeiteten und dem Bier eine wirtschaftliche Bedeutung verliehen.

Napoleon ordnete zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Schließung vieler Klöster an, was die klösterliche Brautradition schwer beschädigte. Erst nach der belgischen Unabhängigkeit 1830 kehrten die Mönche zurück und nahmen das Brauen wieder auf. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte zur Professionalisierung und Konsolidierung: Von einst tausenden Brauereien blieben im 20. Jahrhundert nur wenige hundert übrig. Die beiden Weltkriege verwüsteten viele Brauereien, da die deutschen Besatzer Kupferkessel und Brauereiausrüstung beschlagnahmten.

Die Renaissance der belgischen Bierkultur begann in den 1970er und 1980er Jahren, als ein neues Interesse an traditionellen Stilen und handwerklichem Brauen erwachte. Heute erlebt Belgien eine regelrechte Mikrobrauerei-Revolution: Junge Brauer verbinden jahrhundertealte Techniken mit modernen Ideen und experimentieren mit ungewöhnlichen Zutaten, Fassreifung und internationalen Einflüssen.

Bierkultur und Tradition

In Belgien hat jedes Bier sein eigenes Glas – das ist keine Marotte, sondern eine fest verankerte Tradition. Die Glasform beeinflusst Aroma, Kohlensäure, Schaumbildung und Trinktemperatur. Ein Duvel wird im bauchigen Tulpenglas serviert, ein Kwak im berühmten Kutscherglas mit Holzständer, und ein Trappist im schweren Kelch. Belgische Wirte würden ein Bier eher nicht ausschenken, als es im falschen Glas zu servieren. Diese Tradition spiegelt den Respekt wider, den Belgier ihrem Bier entgegenbringen.

Belgische Biercafés sind Wallfahrtsorte für Bierliebhaber. Das Delirium Café in der Brüsseler Altstadt hält einen Guinness-Weltrekord mit über 2.000 verschiedenen Biersorten auf der Karte. Das Kulminator in Antwerpen ist bekannt für seine Sammlung gereifter Biere, die teilweise seit Jahrzehnten in den Kellern lagern. In Brügge bietet das 't Brugs Beertje auf engem Raum über 300 belgische Biere an. Diese Cafés sind weit mehr als bloße Ausschankstellen – sie sind Orte der Begegnung, des Wissensaustauschs und der Bierkultur.

Bier und belgische Küche

In der belgischen Küche spielt Bier eine ebenso wichtige Rolle wie Wein in der französischen Gastronomie. Carbonnade flamande, der flämische Schmoreintopf, wird mit braunem Bier zubereitet. Moules-frites werden traditionell mit einem Witbier oder einer leichten Blond Ale begleitet. Belgische Käsesorten wie der Chimay-Käse werden mit dem jeweiligen Klosterbier abgestimmt. Sogar belgische Pralinen werden mit Bierfüllungen hergestellt. Die Kunst des belgischen Food Pairing geht weit über einfache Kombination hinaus: Sommelier-Bierkenner beraten in gehobenen Restaurants zu optimalen Bier-Speise-Kombinationen, und eigene Biermenüs mit aufeinander abgestimmten Gängen und Bieren werden immer beliebter.

Bierfestivals und Veranstaltungen

Belgien bietet das ganze Jahr über zahlreiche Bierfestivals und Veranstaltungen, die sowohl Einheimische als auch internationale Besucher anziehen. Das wichtigste und größte ist das Zythos Bierfestival, das jährlich im Frühjahr in Löwen stattfindet. Mit über 100 Brauereien und mehr als 500 Biersorten ist es die größte Bierverkostung Belgiens und bietet die Möglichkeit, direkt mit den Brauern ins Gespräch zu kommen. Das Belgian Beer Weekend auf dem Grand-Place in Brüssel verwandelt jeden September einen der schönsten Plätze Europas in ein Bierfest mit feierlichem Umzug der Brauergilden. Weitere bedeutende Veranstaltungen sind das Toer de Geuze, bei dem Lambic-Brauereien im Pajottenland alle zwei Jahre ihre Türen öffnen, und das Modeste Bierfestival in Antwerpen.

Biertourismus in Belgien

Belgien hat den Biertourismus in den letzten Jahren gezielt ausgebaut. Neben den klassischen Brauereibesuchen bei Chimay, Orval oder der Brouwerij De Halve Maan in Brügge – die eine einzigartige unterirdische Bierleitung durch die historische Altstadt betreibt – gibt es organisierte Bierwanderungen durch das Pajottenland, die Lambic-Region südwestlich von Brüssel. Radrouten verbinden Brauereien in Flandern und der Wallonie, und spezialisierte Reiseveranstalter bieten mehrtägige Bierreisen durch das ganze Land an.

Das Belgian Brewers Museum auf dem Grand-Place in Brüssel vermittelt die Geschichte der belgischen Braukunst, und in Brügge widmet sich das Bruges Beer Experience im historischen Postgebäude der interaktiven Erkundung der Bierwelt. Viele Brauereien bieten geführte Besichtigungen mit anschließender Verkostung an, und in einigen Klöstern kann man Trappistenbiere direkt im Klostercafé genießen – etwa im Café Trappisten neben der Abtei Westmalle oder In de Vrede neben der Abtei Sint-Sixtus in Westvleteren.

AB InBev – vom belgischen Brauer zum Weltkonzern

Die Geschichte von AB InBev ist ein Lehrstück globaler Wirtschaftskonsolidierung mit belgischen Wurzeln. Alles begann 1366 mit der Brauerei Den Hoorn in Löwen, die später zur Brauerei Artois wurde und Stella Artois herstellte. Durch eine Reihe von Fusionen entstand zunächst Interbrew (1988), dann InBev (2004, Fusion mit der brasilianischen AmBev) und schließlich AB InBev (2008, Übernahme von Anheuser-Busch). Heute ist AB InBev der mit Abstand größte Brauereikonzern der Welt mit Marken wie Budweiser, Corona, Beck's, Leffe und Hoegaarden. Der Hauptsitz befindet sich nach wie vor in Löwen – ein Stück belgische Braugeschichte, das die Welt erobert hat.

Die Mikrobrauerei-Revolution

Parallel zur Dominanz des Großkonzerns AB InBev erlebt Belgien seit den 2000er Jahren eine bemerkenswerte Renaissance kleiner, unabhängiger Brauereien. Junge Braumeister gründen Mikrobrauereien, die traditionelle belgische Techniken mit internationalen Einflüssen und experimentellen Ansätzen verbinden. Brauereien wie Brussels Beer Project, die Brauerei De Ranke in Wevelgem oder Brasserie de la Senne in Brüssel stehen für diese neue Generation. Sie brauen India Pale Ales nach belgischer Art, experimentieren mit Fassreifung in Wein- oder Whiskey-Fässern und bringen vergessene historische Stile zurück. Diese Bewegung hat dazu beigetragen, dass die Zahl der aktiven Brauereien in Belgien in den letzten zwei Jahrzehnten wieder deutlich gestiegen ist.

Die Kunst des richtigen Glases

Belgien kennt keine Einheitsgläser. Mehr als 1.000 verschiedene Biergläser sind im Umlauf – fast jede Marke besitzt ihr eigenes, speziell entworfenes Glas. Ein Kwak wird im markanten Kutscherglas mit Holzständer serviert, das Pauwel Kwak-Stehglas erinnert an alte Postkutschenzeiten. Das Duvel-Tulpenglas konzentriert die Aromen, während das bauchige Chimay-Kelchglas die Wärme der Hand nutzt, um die Aromen des dunklen Bieres freizusetzen. In vielen Biercafés muss man beim Bestellen seltener Biere ein Pfand für das Glas hinterlegen – so wertvoll sind diese Trinkgefäße für die Belgier.

Belgisches Bier erleben

Für Bierliebhaber bietet Belgien unzählige Möglichkeiten: Brauereibesuche bei Chimay, Orval oder De Halve Maan in Brügge, Bierwanderungen durch das Pajottenland, Verkostungen in spezialisierten Biercafés oder mehrtägige Bierreisen durch das ganze Land. Das Zythos Bierfestival, das Belgian Beer Weekend und der Toer de Geuze sind Höhepunkte im Kalender jedes Bierliebhabers. Wer die belgische Bierkultur wirklich verstehen möchte, sollte sich Zeit nehmen: Ein einziger Besuch kann die Vielfalt dieses Landes kaum erfassen. Ob in der traditionsreichen Klosterbrauerei, im lebhaften Brüsseler Biercafé oder in der experimentellen Mikrobrauerei – belgisches Bier erzählt immer eine Geschichte von Handwerk, Leidenschaft und jahrhundertealter Tradition.