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Wallonien – Natur, Geschichte und Lebensart

Wallonien, die südliche Region Belgiens, erstreckt sich über rund 16.800 Quadratkilometer und ist damit flächenmäßig die größte Region des Landes. Mit etwa 3,6 Millionen Einwohnern ist die Bevölkerungsdichte deutlich geringer als in Flandern, was Wallonien seinen ländlichen Charme und seine beeindruckende Naturlandschaft bewahrt hat. Die Region ist überwiegend französischsprachig, beherbergt jedoch auch die kleine Deutschsprachige Gemeinschaft im Osten. Im Gegensatz zum flachen Flandern zeichnet sich Wallonien durch eine abwechslungsreiche Topografie aus, die von sanften Hügeln im Norden über tiefe Flusstäler bis hin zu den bewaldeten Höhen der Ardennen im Süden reicht.

Dinant an der Maas - bunte Häuser spiegeln sich im Wasser
Dinant an der Maas – ein Juwel der wallonischen Landschaft

Die Geschichte Walloniens ist eng mit der Industriellen Revolution verbunden. Im 19. Jahrhundert war die Region das industrielle Herz Europas – die Kohlegruben und Stahlwerke des Sillon industriel zwischen Lüttich und Mons trieben den wirtschaftlichen Aufstieg Belgiens voran. Dieser industrielle Wohlstand hat tiefe Spuren hinterlassen: prachtvolle Bürgerhäuser, monumentale Industriearchitektur und ein stolzes Arbeiterbewusstsein prägen bis heute die wallonische Identität. Vier ehemalige Bergbaustandorte Walloniens wurden von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt und zeugen von der enormen Bedeutung der Region für die europäische Industriegeschichte.

HauptstadtNamur
Flächeca. 16.800 km²
Einwohnerca. 3,6 Millionen
SpracheFranzösisch (im Osten auch Deutsch)
ProvinzenHennegau, Lüttich, Luxemburg, Namur, Wallonisch-Brabant
Höchster PunktSignal de Botrange (694 m)
Wichtige FlüsseMaas, Sambre, Ourthe, Lesse, Semois
Wallonisches Parlament75 Abgeordnete, Sitz in Namur
UNESCO-Welterbe4 Bergbaustandorte, Belfried von Mons, Karneval von Binche
TrappistenbiereChimay, Orval, Rochefort

Die fünf Provinzen Walloniens

Wallonien gliedert sich in fünf Provinzen, die jeweils einen eigenen Charakter besitzen und zusammen die Vielfalt der Region widerspiegeln.

Wallonisch-Brabant

Die jüngste und wohlhabendste Provinz Walloniens liegt südlich von Brüssel und beherbergt die renommierte Université catholique de Louvain (UCLouvain) in Louvain-la-Neuve, der einzigen reinen Fußgänger-Universitätsstadt Belgiens. Die Provinz profitiert von der Nähe zur Hauptstadt und ist ein Zentrum für Forschung und Innovation.

Hennegau (Hainaut)

Die bevölkerungsreichste Provinz Walloniens war einst das Zentrum der belgischen Schwerindustrie. Heute wandeln sich Städte wie Charleroi und Mons zu Kultur- und Technologiestandorten. Die Provinz ist auch Heimat des berühmten Karnevals von Binche und des historischen Schlachtfelds von Waterloo.

Lüttich (Liège)

Die Provinz um die lebhafte Großstadt Lüttich vereint urbanes Flair mit ländlicher Idylle. Neben der Universitätsstadt selbst gehören das Hohe Venn, die Kurstadt Spa und die Deutschsprachige Gemeinschaft rund um Eupen und Sankt Vith zu ihrem Gebiet.

Luxemburg

Die größte, aber am dünnsten besiedelte Provinz Belgiens besteht fast vollständig aus den Ardennen. Weite Wälder, das gewundene Semois-Tal und die Festungsstadt Bouillon prägen diese grüne Provinz. In Bastogne erinnert ein bedeutendes Museum an die Ardennenoffensive von 1944.

Namur

Die Provinz um die wallonische Hauptstadt Namur liegt am Zusammenfluss von Sambre und Maas. Das malerische Dinant, die Grotten von Han-sur-Lesse und das prachtvolle Maastal machen diese Provinz zu einem Höhepunkt jeder Wallonien-Reise. Die Zitadelle von Namur überblickt das gesamte Flusstal.

Die Ardennen – Belgiens grüne Lunge

Das Herzstück Walloniens sind die Ardennen, ein ausgedehntes Mittelgebirge mit dichten Wäldern, tiefen Flusstälern und malerischen Dörfern. Der Signal de Botrange erreicht mit 694 Metern den höchsten Punkt Belgiens. Die Ardennen bieten ein Paradies für Outdoor-Aktivitäten: Wandern, Mountainbiken, Kajakfahren auf der Lesse oder Ourthe, und im Winter sogar Langlauf. Die Region ist von einem dichten Netz an markierten Wanderwegen durchzogen, darunter Fernwanderwege wie der GR 5 und der GR 14, die durch die schönsten Landschaften führen.

Mehrere Naturparks schützen die bemerkenswerte Biodiversität der Ardennen. Der Naturpark Hohes Venn-Eifel im Osten ist die Heimat der letzten Hochmoore Belgiens, ein einzigartiges Ökosystem mit seltenen Pflanzen und Vogelarten. Der Naturpark Zwei Ourthes und der Naturpark Ardenne méridionale bieten kilometerlange Wanderwege durch unberührte Wälder und Flusstäler. Im Frühjahr verwandeln sich die Wiesen der Ardennen in ein Meer aus Wildnarzissen, ein Naturschauspiel, das Tausende von Besuchern anzieht.

Das Maastal – Lebensader Walloniens

Die Maas durchzieht Wallonien von Süden nach Norden und hat über Jahrtausende ein beeindruckendes Tal in die Landschaft geschnitten. Entlang der Maas und ihrer Nebenflüsse reihen sich malerische Städte und Dörfer aneinander. Dinant, überragt von seiner imposanten Zitadelle und der Stiftskirche mit dem charakteristischen birnenförmigen Turm, gilt als eine der schönsten Städte Belgiens. Hier wurde 1814 Adolphe Sax geboren, der Erfinder des Saxophons. Überlebensgroße, bunt bemalte Saxophon-Skulpturen schmücken heute die Uferpromenade der Stadt und erinnern an ihren berühmten Sohn.

Das Maastal ist zudem geprägt von steilen Felswänden, die sich perfekt zum Klettern eignen, und von sanften Hügeln, auf denen Obstgärten und Weinreben gedeihen. Die Flusstourismus auf der Maas ermöglicht es Besuchern, die Landschaft vom Wasser aus zu erleben – Flusskreuzfahrten zwischen Namur und Dinant gehören zu den beliebtesten Ausflügen der Region.

Burgen und Schlösser – Zeugen einer bewegten Geschichte

Wallonien besitzt eine der höchsten Burgen- und Schlösserdichten Europas. Über die gesamte Region verteilt finden sich mittelalterliche Festungen, Renaissance-Schlösser und prachtvolle Herrenhäuser, die von der wechselvollen Geschichte dieser Grenzregion erzählen.

Burg Bouillon

Die älteste Feudalburg Belgiens thront majestätisch über der Semois-Schleife. Sie war die Stammburg von Gottfried von Bouillon, dem Anführer des Ersten Kreuzzugs, der die Burg 1096 verkaufte, um seinen Feldzug ins Heilige Land zu finanzieren. Heute bietet die Anlage Greifvogel-Vorführungen und einen faszinierenden Einblick in das mittelalterliche Leben.

Schloss Modave

Hoch über dem Hoyoux-Tal gelegen, beeindruckt dieses Schloss aus dem 17. Jahrhundert mit seinen prachtvollen Innenräumen, darunter eine Decke mit 60 Familienmedaillons. Bemerkenswert ist die hydraulische Maschine, die bereits 1667 Wasser 60 Meter hoch aus dem Tal pumpte – ein technisches Wunderwerk, das Ludwig XIV. für die Anlagen von Versailles inspirierte.

Burg Vêves

Diese märchenhafte Burg mit ihren fünf runden Türmen aus dem 15. Jahrhundert steht in Celles bei Houyet und gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Festungen Belgiens. Seit über sieben Jahrhunderten befindet sie sich im Besitz derselben Familie. Ihre elegante Silhouette scheint direkt einem Bilderbuch entsprungen.

Schloss Freÿr

Direkt an der Maas gelegen, wird dieses Renaissance-Schloss oft als das belgische Versailles bezeichnet. Seine geometrischen Gärten mit jahrhundertealten Orangenbäumen, die im Sommer ins Freie gebracht werden, zählen zu den schönsten historischen Gärten Belgiens. Im Inneren befinden sich wertvolle Porzellansammlungen und barocke Wandmalereien.

Höhlen und unterirdische Welten

Die Kalksteinformationen Walloniens haben über Millionen von Jahren ein faszinierendes unterirdisches Netzwerk aus Höhlen und Grotten geschaffen. Die berühmteste unter ihnen ist die Grotte von Han-sur-Lesse, ein unterirdisches Labyrinth, das sich über mehrere Kilometer erstreckt. Eine Straßenbahnfahrt bringt Besucher zum Eingang, und die Tour führt durch gigantische Säle mit Stalaktiten und Stalagmiten, bis zum Höhepunkt: dem Saal des Doms, einer gewaltigen Kammer, die mit einer Lichtshow illuminiert wird. Die Lesse verschwindet hier vollständig unter der Erde und tritt erst Kilometer weiter wieder ans Tageslicht.

Die Grotte von Remouchamps beeindruckt mit der längsten unterirdischen Bootsfahrt, die touristisch zugänglich ist. Auf einer Strecke von rund einem Kilometer gleiten Besucher in flachen Booten über den unterirdischen Fluss Rubicon durch beleuchtete Kavernen. Weitere sehenswerte Höhlen finden sich bei Rochefort, Hotton und Comblain-au-Pont, jede mit ihrem eigenen Charakter und geologischen Besonderheiten.

Das Schlachtfeld von Waterloo

Am 18. Juni 1815 fand südlich von Brüssel eine der entscheidenden Schlachten der europäischen Geschichte statt. Bei Waterloo besiegte eine Koalitionsarmee unter dem Herzog von Wellington und dem preußischen Feldmarschall Blücher die Truppen Napoleons endgültig. Der Löwenhügel, ein 40 Meter hoher künstlicher Erdhügel mit einer gusseisernen Löwenstatue, markiert heute den Schauplatz. Am Fuß des Hügels wurde 2015 das moderne Memorial 1815 eröffnet, ein unterirdisches Museum, das die Schlacht mit modernster Technik und beeindruckenden Dioramen zum Leben erweckt. Jedes Jahr im Juni wird die Schlacht mit Hunderten von Reenactment-Teilnehmern in historischen Uniformen nachgestellt.

Wallonische Städte

Lüttich

Die größte Stadt Walloniens pulsiert mit Lebensfreude. Der Sonntagsmarkt La Batte, die 374 Stufen der Montagne de Bueren und der futuristische Bahnhof von Calatrava sind nur einige Highlights. Die Stadt ist berühmt für ihre lebendige Ausgehszene und das Carré-Viertel. Mehr über Lüttich →

Namur

Die wallonische Hauptstadt thront am Zusammenfluss von Sambre und Maas. Die mächtige Zitadelle überblickt eine charmante Altstadt voller Cafés und Boutiquen. Mehr über Namur →

Mons

Kulturhauptstadt Europas 2015, berühmt für das Doudou-Festival und den Belfried. Mons verbindet kulturelle Vielfalt mit einer bewegten Geschichte. Mehr über Mons →

Durbuy

Durbuy rühmt sich, die kleinste Stadt der Welt zu sein – ein Titel, der auf ein mittelalterliches Stadtrecht zurückgeht. Das winzige Stadtzentrum mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen, Fachwerkhäusern und gemütlichen Restaurants zieht jährlich hunderttausende Besucher an. Die umliegende Landschaft bietet Kajaktouren auf der Ourthe und einen der größten Irrgärten Europas.

Industrielles Erbe – Kohle und Stahl

Walloniens industrielle Vergangenheit hat eine Landschaft geprägt, die heute zunehmend als kulturelles Erbe gewürdigt wird. Der Sillon industriel, ein Industriegürtel entlang der Sambre und Maas von Mons bis Lüttich, war im 19. Jahrhundert das produktivste Industriegebiet des europäischen Festlands. Kohlebergwerke, Stahlhütten und Glashütten machten Wallonien zum Motor der belgischen Wirtschaft. In Charleroi erinnert das Musée du Verre an die Tradition der Glasherstellung, während in Lüttich das Grand Curtius Museum industrielle Artefakte neben prähistorischen und mittelalterlichen Schätzen zeigt.

Vier bedeutende Bergwerksstandorte in Wallonien – der Grand-Hornu, das Bois du Luc, das Bois-du-Cazier und die Zeche Blegny – wurden als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Diese Standorte dokumentieren die gesamte Geschichte des Kohlebergbaus vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert. Besonders bewegend ist das Bois-du-Cazier in Marcinelle, wo 1956 eine Grubenkatastrophe 262 Bergleute das Leben kostete – heute eine Gedenkstätte und ein Museum, das an die Opfer und die harten Bedingungen der Bergarbeiter erinnert.

Karneval von Binche – UNESCO-Weltkulturerbe

Der Karneval von Binche ist einer der ältesten und eindrucksvollsten Karnevale Europas und wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit erklärt. Höhepunkt sind die Gilles, Karnevalsfiguren in traditionellen Kostümen mit Wachsmasken, Spitzenhemden und Holzschuhen, die am Faschingsdienstag durch die Straßen tanzen und Orangen in die Menge werfen. Diese Tradition geht auf das 14. Jahrhundert zurück und wird von den Einwohnern von Binche mit größtem Stolz gepflegt. Die Kostüme und Masken werden in Handarbeit gefertigt, und die Teilnahme als Gille ist ausschließlich den in Binche geborenen Männern vorbehalten.

Wallonische Sprache und Kultur

Neben dem Französischen existiert in Wallonien eine reiche regionale Sprachlandschaft. Das Wallonische, eine romanische Sprache und kein bloßer französischer Dialekt, wurde über Jahrhunderte gesprochen und hat in Literatur, Theater und Chanson ein bedeutendes kulturelles Erbe hinterlassen. Obwohl das Wallonische im Alltag weitgehend vom Französischen verdrängt wurde, lebt es in Theatergruppen, Mundart-Literatur und Volksfesten weiter. Vereine wie die Société de Langue et de Littérature wallonnes setzen sich für die Bewahrung dieser sprachlichen Tradition ein. Daneben existieren weitere regionale Sprachen wie das Picardische im Westen und das Gaumais im Süden.

Gastronomie – Genuss auf wallonische Art

Die wallonische Küche verbindet die Raffinesse der französischen Kochkunst mit den bodenständigen Produkten einer ländlichen Region und den Traditionen der Ardennen. Wild und Forelle spielen in der wallonischen Gastronomie eine zentrale Rolle. In den Ardennen werden Hirsch, Wildschwein und Reh mit saisonalen Beilagen wie Pilzen, Preiselbeeren und Wacholderbeeren zubereitet. Die Forellen aus den klaren Ardenner Bächen gelten als Delikatesse und werden gerne in Butter gebraten oder geräuchert serviert.

Ardenner SchinkenLuftgetrockneter Rohschinken, monatelang in den kühlen Ardenner Wäldern gereift, vergleichbar mit Parmaschinken oder Serrano
Abtei-KäseKäse aus Klosterproduktion, darunter der halbfeste Chimay-Käse und der würzige Herve-Käse mit seiner gewaschenen Rinde
Boulets à la liégeoiseLütticher Fleischklöße in süß-saurer Sirup-Sauce, das Nationalgericht der Maasstadt
EscavècheTraditionelles Fischgericht aus Chimay, bei dem frittierter Fisch in gewürztem Essig eingelegt wird
Lütticher WaffelnHefeteig-Waffeln mit Perlzucker, die beim Backen karamellisieren und warm am besten schmecken
Sirop de LiègeDickflüssiger Fruchtsirup aus Äpfeln, Birnen und Datteln, ein wallonischer Brotaufstrich seit Generationen

Trappistenbiere – klösterliche Braukunst

Wallonien beherbergt drei der weltweit nur vierzehn anerkannten Trappistenbrauereien, was die Region zu einem Wallfahrtsort für Bierkenner macht. Diese Biere werden unter Aufsicht von Trappistenmönchen gebraut, und die Gewinne fließen in wohltätige Zwecke und den Unterhalt der Klöster. Mehr über die belgische Bierkultur erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Chimay

Die Abtei Notre-Dame de Scourmont produziert drei klassische Biere – Chimay Rouge, Bleue und Triple – sowie den bekannten Chimay-Käse. Die Auberge de Poteaupré in Chimay bietet Verkostungen und regionale Küche mit Klosterprodukten an.

Orval

Die Abtei Notre-Dame d'Orval im äußersten Süden Belgiens braut nur ein einziges Bier, das durch eine zweite Gärung mit Brettanomyces-Hefen seinen charakteristisch trockenen, komplexen Geschmack erhält. Die Ruinen der mittelalterlichen Abtei neben dem Neubau sind ein beliebtes Ausflugsziel.

Rochefort

Die Abtei Saint-Remy in Rochefort braut drei dunkle, kräftige Biere – Rochefort 6, 8 und 10 –, die zu den am höchsten bewerteten Bieren der Welt gehören. Die Mönche produzieren bewusst in kleinen Mengen und die Brauerei ist nicht für Besucher zugänglich.

Spa – Wiege des Wellness

Die Stadt Spa in den östlichen Ardennen hat dem Wellness-Konzept buchstäblich ihren Namen gegeben. Bereits seit dem 16. Jahrhundert pilgern Kurgäste zu den warmen Mineralquellen der Stadt, darunter europäische Könige, der russische Zar Peter der Große und zahlreiche Berühmtheiten. Heute bieten die Thermes de Spa auf einem Hügel über der Stadt moderne Wellnesseinrichtungen mit Panoramablick über die bewaldeten Ardenner Hügel. Neben dem Thermalbad ist Spa auch für seine Rennstrecke bekannt – der Circuit de Spa-Francorchamps ist eine der legendärsten Motorsportstrecken der Welt und Austragungsort des Großen Preises von Belgien in der Formel 1. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite über Spa und Wellness.

Wirtschaft im Wandel

Nach dem Niedergang der Schwerindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befindet sich Wallonien in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Region setzt heute auf Zukunftsbranchen wie Biotechnologie, Luft- und Raumfahrt, erneuerbare Energien und Digitalisierung. Forschungszentren wie das WSL (Wallonia Space Logistics) und Bioparks in Charleroi und Gosselies zeigen den Weg in die Zukunft. Der Tourismus spielt eine wachsende Rolle – die Ardennen, die Flusstäler und die kulinarische Tradition Walloniens ziehen immer mehr Besucher an.

Universitäten und Forschung

Wallonien verfügt über herausragende akademische Einrichtungen, die den wirtschaftlichen Wandel der Region vorantreiben. Die Université de Liège (ULiège), gegründet 1817, ist eine der führenden Forschungsuniversitäten Belgiens mit Stärken in den Bereichen Raumfahrttechnik, Biomedizin und Ingenieurwissenschaften. Die Université catholique de Louvain (UCLouvain) in Louvain-la-Neuve, gegründet 1425 und damit eine der ältesten Universitäten der Welt, ist ein Kraftzentrum für Innovation und Unternehmensgründungen. Rund um diese Universitäten haben sich Technologieparks und Spin-off-Unternehmen angesiedelt, die Wallonien zu einem zunehmend wettbewerbsfähigen Standort für Wissensökonomie und Hightech-Industrie machen.

Naturparks und Erholung

Wallonien besitzt zahlreiche Naturparks, die zusammen einen erheblichen Teil der Regionsfläche ausmachen und sowohl dem Naturschutz als auch der sanften Erholung dienen. Der Naturpark Hohes Venn-Eifel im Osten umfasst die höchsten Lagen Belgiens und beeindruckt mit seinen weiten Hochmoorflächen, die über Holzstege begangen werden können. Im Süden bietet der Naturpark der Oberen Sure unberührte Flusstäler und ausgedehnte Buchenwälder. Der Naturpark Viroin-Hermeton im Süden der Provinz Namur beherbergt Kalksteinfelsen mit seltener Trockenrasenvegetation und ist ein Geheimtipp für Orchideenliebhaber. Jeder dieser Parks bietet ein Netz aus Wanderrouten, Mountainbike-Strecken und Informationszentren, die Besucher in die Geheimnisse der wallonischen Natur einführen.

Wallonische Lebensart

Die Wallonen sind bekannt für ihre Lebensfreude, ihre Gastfreundschaft und ihre Liebe zur guten Küche. Die wallonische Gastronomie verbindet französische Kochkunst mit regionalen Produkten: Ardenner Schinken, Käse aus der Herve-Region, Biere aus Klosterbrauereien und die berühmten Lütticher Waffeln. Folklore und Traditionen wie die Gilles von Binche oder die Stelzenläufer von Namur halten das kulturelle Erbe lebendig. In den kleinen Dörfern der Ardennen pflegt man eine gemächliche Lebensweise, in der gemeinsame Mahlzeiten, Dorffeste und der Sonntagsmarkt noch feste Bestandteile des Alltags sind. Diese Authentizität ist es, die viele Besucher an Wallonien so schätzen – eine Region, die Entschleunigung und Genuss in einer zunehmend hektischen Welt ermöglicht.

Reisetipp: Wallonien entdecken

Wallonien lässt sich hervorragend mit dem Auto erkunden, da viele der schönsten Orte abseits der großen Bahnstrecken liegen. Für Aktivurlauber empfiehlt sich ein Aufenthalt in den Ardennen mit Tagesausflügen zu den Grotten, Burgen und Flusstälern. Kulturinteressierte sollten Lüttich, Mons und Namur einplanen, während Feinschmecker die Klosterbrauereien und die regionalen Märkte nicht verpassen sollten. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober, wenn die Wälder in voller Pracht stehen und zahlreiche Feste und Traditionen stattfinden. Weitere praktische Hinweise finden Sie auf unserer Seite mit Reiseinformationen.