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Panorama der Altstadt von Brügge
Reise · Überblick

Sehenswürdigkeiten in Belgien - was sich lohnt

Belgien ist kleiner als Bayern und passt trotzdem nicht in eine Woche. Zwischen der Nordseeküste und den Ardennen liegen dreizehn UNESCO-Welterbestätten, eine Handvoll Städte mit intakten mittelalterlichen Kernen und einige Orte, die sich keiner Kategorie fügen.

300 km
Nord nach Süd
67 km
Küste
694 m
Höchster Punkt
3
Sprachgebiete

Die Entfernungen in Belgien sind so gering, dass sie die Reiseplanung eher erschweren als erleichtern. Von Ostende an der Nordsee bis Arlon an der luxemburgischen Grenze sind es rund 300 Kilometer - eine Strecke, die man in Österreich zwischen Wien und Salzburg zurücklegt. Auf dieser Fläche liegen aber drei Sprachgebiete, zwei völlig verschiedene Landschaftstypen und ein knappes Dutzend Städte, die jeweils einen eigenen Tag verdienen.

Das führt zu einem typischen Fehler: zu viel auf einmal. Wer Brügge, Gent, Antwerpen, Brüssel und die Ardennen in fünf Tagen abhaken will, sieht überall Bahnhöfe und Parkhäuser. Sinnvoller ist es, sich für eine Himmelsrichtung zu entscheiden - Flandern für Städte und Kunst, Wallonien für Landschaft und Geschichte - und den Rest der nächsten Reise zu überlassen.

Größte StädteAntwerpen, Gent, Brüssel, Brügge, Lüttich, Namur
UNESCO-Welterbeunter anderem der Grand-Place, die Beginenhöfe und die Belfriede
LandschaftenNordseeküste, flaches Flandern, Maastal, Ardennen mit dem Hohen Venn
Beste ReisezeitMai bis September; für Städte auch Herbst und Advent
Verkehrsmitteldichtes Bahnnetz, Kusttram entlang der Küste, Auto für die Ardennen
SprachenNiederländisch im Norden, Französisch im Süden, Deutsch im Osten
Bekannteste BauwerkeAtomium, Grand-Place, Belfried von Brügge, Zitadelle von Dinant
Für FamilienPairi Daiza, Plopsaland, Bellewaerde, Zoo Antwerpen
Kulinarische ZieleBrauereien, Chocolaterien, Frittüren, Fischmärkte an der Küste
AnreiseBahn über Köln oder Frankfurt, Auto über Aachen oder Luxemburg

Die Städte Flanderns

Brügge ist der Ort, an dem die meisten Belgienreisen beginnen, und das aus gutem Grund: Die Altstadt steht seit 2000 vollständig auf der Welterbeliste, rund acht Millionen Menschen kommen jährlich. Im 15. Jahrhundert war die Stadt eine der größten nördlich der Alpen. Dass sie so vollständig erhalten blieb, verdankt sie ausgerechnet ihrem Niedergang - als der Zwin verlandete und der Handel nach Antwerpen abwanderte, fehlte das Geld zum Abreißen und Neubauen.

Gent ist die Gegenprobe. Mit 265.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes und mit rund 60.000 Studierenden keine Museumsstadt, sondern ein Ort, in dem gearbeitet und ausgegangen wird. Wer Brügge zu geleckt findet, ist hier richtig.

Antwerpen hat mit über einer halben Million Einwohnern in der Kernstadt und mehr als einer Million im Großraum eine andere Dimension. Es ist Hafenstadt, Diamantenhandelsplatz und seit den 1980er Jahren eine Modemetropole - drei Identitäten, die nebeneinander bestehen. Dazu kommen Löwen mit seiner Universität von 1425 und Mechelen, das als heimliche Hauptstadt der Niederlande begann und heute vor allem für sein Glockenspiel bekannt ist.

Brüssel und das Erbe der Weltausstellung

Brüssel ist keine schöne Stadt im Sinne von Brügge, aber die interessanteste des Landes. Die Region umfasst neunzehn Gemeinden auf 161 Quadratkilometern und ist offiziell zweisprachig. Ihr Zentrum, der Grand-Place, gehört seit 1998 zum Welterbe und gilt vielen als einer der schönsten Plätze Europas - ein geschlossenes Ensemble aus Zunfthäusern, das nach der Zerstörung durch französische Truppen 1695 binnen weniger Jahre wieder aufgebaut wurde.

Am Stadtrand steht das Atomium, das letzte sichtbare Überbleibsel der Weltausstellung von 1958: neun Stahlkugeln, 102 Meter hoch, gebaut als Werbeobjekt der Metallindustrie und eigentlich zum Abriss vorgesehen. Zwischen beiden liegt die Stadt der Institutionen - das Europaviertel und das NATO-Hauptquartier -, die Brüssel seinen zweiten Ruf als Hauptstadt Europas eingetragen hat.

Sehenswert ist auch, was zwischen den Epochen liegt: die Jugendstilarchitektur von Victor Horta, die in mehreren Wohnhäusern erhalten und ebenfalls Welterbe ist, sowie die Comic-Tradition, die von den Hausfassaden bis ins Museum reicht.

Der Süden - Maastal und Ardennen

Wallonien wird von Städtereisenden oft übersehen, und das ist ein Fehler. Dinant liegt zwischen einer senkrechten Felswand und der Maas, überragt von einer Zitadelle, zu der 408 Stufen hinaufführen. Hier wurde 1814 Adolphe Sax geboren, der Erfinder des Saxophons. Namur, die Hauptstadt der Region, trägt eine der größten Zitadellen Europas, und Lüttich ist mit rund 200.000 Einwohnern die größte Stadt Walloniens - eine Industriestadt mit rauem Charme und einem spektakulären Bahnhof von Santiago Calatrava.

Landschaftlich beginnt südlich davon eine andere Welt. Die Ardennen sind zu über sechzig Prozent bewaldet, ihr höchster Punkt liegt auf 694 Metern im Hohen Venn, einer Hochmoorlandschaft mit fast 150 Nebeltagen im Jahr. Seit 2022 gibt es dort mit dem Nationalpark an der Semois das erste Schutzgebiet dieser Kategorie im Land, und seit wenigen Jahren leben wieder Wölfe in der Region.

Zwei Orte im Süden verdienen einen eigenen Halt: Spa, das Kurstädtchen, das dem Wellness weltweit seinen Namen gab, und Waterloo, wo am 18. Juni 1815 die napoleonische Ära endete. Mons war 2015 Kulturhauptstadt Europas und beherbergt die neolithischen Feuersteinminen von Spiennes.

Für den ersten Besuch

Brügge, Gent und Brüssel lassen sich per Bahn in drei bis vier Tagen verbinden. Die Züge fahren dicht, Entfernungen unter einer Stunde sind die Regel.

Mit Kindern

Die Tier- und Freizeitparks liegen alle in unter 90 Minuten von Brüssel, Plopsaland sogar direkt an der Kusttram.

Für Genießer

Bier, Schokolade und die Frittüren-Kultur sind keine Klischees, sondern ernsthafte Handwerkstraditionen mit UNESCO-Status.

Für Wanderer

Die Ardennen bieten Fernwege von 68 bis 290 Kilometern, dazu die Vennbahn als Radweg mit nur zwei Prozent Steigung.

Für Geschichtsinteressierte

Von Waterloo 1815 über die Schlachtfelder in Flandern bis Bastogne liegen drei europäische Kriegsschauplätze auf engem Raum.

Am Meer

Ostende und die Seebäder erreicht man ohne Auto: Die Kusttram verbindet alle Orte entlang der 67 Kilometer Küste.

Essen als eigener Reisegrund

In kaum einem europäischen Land ist die Küche so eng mit der Reiseerfahrung verbunden wie hier, und das liegt an der Handwerklichkeit. Belgisches Bier ist seit 2016 immaterielles Weltkulturerbe: rund 1.500 Sorten, darunter die spontanvergorenen Lambics, die es so nirgendwo sonst gibt, und die Trappistenbiere aus sechs Klöstern.

Die Schokolade ist die zweite Säule, mit über 2.000 Chocolaterien im Land und der Praline als belgischer Erfindung. Die dritte hat gar keinen gehobenen Anspruch: Die Frittüre ist eine eigene Institution mit mehreren tausend Betrieben, und wer die belgische Alltagskultur verstehen will, isst dort einmal im Stehen.

Dazu kommt eine regionale Küche, die je nach Landesteil anders aussieht - Fisch und Garnelen an der Küste, Wild und Schinken in den Ardennen, herzhafte Eintöpfe in den Städten. Ein Reiseplan, der die Mahlzeiten mitdenkt, bringt in Belgien mehr Erkenntnisgewinn als eine zusätzliche Kirche.

Was Belgien besonders macht

Einige Sehenswürdigkeiten des Landes fügen sich in keine gewöhnliche Kategorie. Die Beginenhöfe etwa, geschlossene Wohnanlagen für Frauengemeinschaften, die vom 13. bis ins 16. Jahrhundert entstanden - dreizehn von ihnen stehen seit 1998 auf der Welterbeliste. Es gab nichts Vergleichbares anderswo in Europa: Frauen, die weder heirateten noch ins Kloster gingen, sondern eigenständig in einer Gemeinschaft lebten.

Ähnlich einzigartig sind die Carillons, Glockenspiele mit mindestens 23 Glocken, gespielt über eine Klaviatur. Erfunden wurden sie im 15. Jahrhundert in den Niederen Landen, das größte Belgiens hängt mit 49 Glocken im Turm von Mechelen. Und in Antwerpen läuft seit dem 15. Jahrhundert der Diamantenhandel, der bis heute Milliardenumsätze macht.

Wer es kurioser mag, wird ebenfalls fündig: von einer Stadt, die sich als kleinste der Welt bezeichnet, bis zu einer Sammlung von Eigentümlichkeiten, die zeigen, dass belgischer Humor eine ernstzunehmende Kulturtechnik ist.

Das Welterbe, das keines der üblichen ist

Belgiens Beiträge zur UNESCO-Liste sind ungewöhnlich, weil sie selten aus einzelnen Prachtbauten bestehen. Statt einer Kathedrale oder eines Schlosses stehen dort Gruppen: die Beginenhöfe, die Belfriede, die Bürgerhäuser eines Architekten.

Die Belfriede sind Glockentürme, die nicht der Kirche gehörten, sondern der Stadt. Sie entstanden, als die flämischen Tuchstädte im Mittelalter ihre Freiheiten gegen Adel und Klerus behaupteten, und sie beherbergten Archiv, Alarmglocke und Gefängnis - ein Turm als bauliche Behauptung von Bürgerrechten. Wer den Belfried von Brügge besteigt, klettert also nicht auf ein Wahrzeichen, sondern auf ein politisches Symbol.

Ähnlich verhält es sich mit den Wohnhäusern des Architekten Victor Horta in Brüssel, die den Jugendstil als Bauweise begründeten und heute ebenfalls zum Welterbe zählen. Und mit den neolithischen Feuersteinminen von Spiennes bei Mons, den größten und ältesten ihrer Art in Europa - ein Welterbe, das man nicht ansieht, weil es unter der Erde liegt.

Auch das Kurstädtchen Spa steht seit 2021 auf der Liste, gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Kurorten, darunter Baden bei Wien. Es hat der Welt das Wort „Spa" gegeben, das heute in jeder Sprache verstanden wird.

Praktisch unterwegs

Das Bahnnetz ist dicht und macht das Auto für Städtereisen überflüssig; die meisten Verbindungen zwischen den großen Städten dauern unter einer Stunde. Für die Ardennen sieht es anders aus - dort sind mehrere Nebenstrecken stillgelegt, und ohne Auto wird die Region mühsam.

Wer mit dem eigenen Wagen anreist, sollte zwei Dinge vorab erledigen: die Registrierung des Kennzeichens für die Umweltzonen in Brüssel und Flandern, die kostenlos ist und bei Versäumnis 150 Euro kostet, und einen Blick auf die Spritpreise, die in Belgien staatlich gedeckelt, beim Diesel aber höher sind als in Österreich.

Die beste Reisezeit für die Küste und die Ardennen liegt zwischen Mai und September. Die Städte funktionieren ganzjährig, wobei November und Februar wettertechnisch die undankbarsten Monate sind. Alle weiteren Hinweise zu Anreise, Unterkunft und Verkehr finden sich unter Reiseinformationen.

Drei Routenvorschläge

Vier Tage Flandern: Brügge, Gent, Antwerpen, alles per Bahn, mit einem Tag an der Küste. Fünf Tage Wallonien: Namur, Dinant, die Ardennen mit Standquartier in Bouillon oder La Roche, dazu Waterloo auf dem Hin- oder Rückweg. Eine Woche gemischt: drei Tage Brüssel und Umgebung inklusive Atomium und Waterloo, zwei Tage Brügge oder Gent, zwei Tage Ardennen. Wer mit Kindern reist, ersetzt einen Städtetag durch Pairi Daiza - der Park allein füllt einen ganzen Tag.