Tierparks und Freizeitparks in Belgien
Auf der Fläche Niederösterreichs drängen sich einige der meistbesuchten Parks Europas: Pairi Daiza mit einem 215 Millionen Euro teuren Tropengewächshaus, Walibi als Ursprung einer ganzen Parkmarke, Plopsaland als Erbe eines Honigfabrikanten und ein Zoo, der älter ist als der Bahnhof neben ihm.
Belgien ist ein Land der kurzen Wege, und das gilt auch für seine Parks. Von Brüssel aus erreicht man jeden der großen Tier- und Freizeitparks in weniger als anderthalb Autostunden, und die Dichte ist bemerkenswert: Auf einem Gebiet, das kleiner ist als Niederösterreich, konkurrieren ein mehrfach ausgezeichneter Tierpark, drei große Freizeitparks und einer der ältesten Zoos Europas.
Für Reisende aus Österreich ist das vor allem eine Familienfrage. Wer Brügge, Gent und Antwerpen mit Kindern besuchen will, stößt schnell an die Grenzen der Begeisterungsfähigkeit für gotische Belfriede - und findet in einer knappen Stunde Fahrt eine Alternative, die den Rest der Reise rettet.
| Pairi Daiza | Brugelette im Hennegau, zwischen Mons und Ath, ganzjährig geöffnet |
| Besucher 2025 | 2.866.576 - Rekord, plus 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr |
| Eintritt Pairi Daiza | online 43 bis 52 Euro für Erwachsene, je nach Tag; Kinder ab 37 Euro |
| Walibi Belgium | Wavre, eröffnet 26. Juli 1975, über 40 Attraktionen |
| Plopsaland De Panne | an der Küste, eröffnet 2000, Nachfolger des Meli-Parks |
| Bellewaerde | bei Ypern, gegründet 1954, 54 Hektar, Tierpark und Fahrgeschäfte |
| Bobbejaanland | Lichtaart in der Provinz Antwerpen, eröffnet 31. Dezember 1961 |
| Zoo Antwerpen | gegründet 21. Juli 1843, rund 10 Hektar, direkt am Hauptbahnhof |
| Edenya | eröffnet 7. Februar 2026, 4 Hektar unter Glas, 24 Meter hoch |
| Anreise | alle Parks in unter 90 Minuten von Brüssel erreichbar |
Pairi Daiza - vom Vogelpark zum Publikumsmagneten
Die Geschichte des größten belgischen Tierparks beginnt 1994 mit einem 32-jährigen Unternehmer namens Eric Domb, der auf dem verwahrlosten Gelände einer Zisterzienserabtei einen Vogelpark eröffnete. „Parc Paradisio" hieß er damals und zeigte 2.500 Vögel in 400 Arten; 165.000 Menschen kamen im ersten Jahr.
Dreißig Jahre später zählte der Park 2.866.576 Besucher in einem einzigen Jahr - mehr als das Siebzehnfache. Aus dem Vogelpark wurde eine Anlage von rund achtzig Hektar mit über 7.500 Tieren, gegliedert in thematische Welten: das Reich der Mitte mit dem größten chinesischen Garten Europas und einer 250 Meter langen Hängebrücke, das Königreich des Ganesha, das Land der Ursprünge, das Australkap, das Land der Kälte. 2010 gab sich der Park seinen heutigen Namen, ein altpersisches Wort, das „umschlossener Garten" bedeutet und zugleich die Wurzel unseres Wortes „Paradies" ist.
Bemerkenswert ist, was von der Abtei blieb. Das Kloster Cambron wurde 1148 gegründet, und Turm, Krypta und Treppe stehen noch. Der Abteiturm, 50 Meter hoch und im 18. Jahrhundert klassizistisch erneuert, wird derzeit restauriert - inklusive einer Rekonstruktion der Turmhaube nach historischen Stichen. Man besucht in Pairi Daiza also einen Tierpark, der um ein Baudenkmal herumgebaut wurde, nicht umgekehrt.
Edenya - das teuerste Gewächshaus Europas
Am 7. Februar 2026 eröffnete Pairi Daiza eine Erweiterung, die selbst für einen Park dieser Größe außergewöhnlich ist. Edenya umfasst vier Hektar unter Glas, ist an der höchsten Stelle 24 Meter hoch und kostete 215 Millionen Euro. Über hundert Firmen waren am Bau beteiligt, allein das Dach trägt 1.320 Tonnen Stahl.
Im Inneren leben 230 Tierarten in 88 Gehegen, dazu kommen ein 17 Meter hoher Wasserfall, eine Schmetterlingskuppel von 1.500 Quadratmetern und ein Wasserkreislauf von 17.000 Kubikmetern. Am 17. Juli 2026 zertifizierte das Guinness-Buch drei Weltrekorde: größter überdachter Tropengarten, größtes überdachtes zoologisches Ökosystem - und die meisten Pflanzenarten in einem Tropengewächshaus.
Gerade dieser dritte Rekord verdient Beachtung, weil er weniger nach Superlativ und mehr nach Arbeit klingt: 1.675 gezählte Arten, darunter über 400 Orchideen, rund hundert Hibiskussorten und zweihundert Bromelien. Die Auswahl und Beschaffung zog sich über fast sieben Jahre hin; erste Pflanzen wurden bereits 2019 reserviert. Der Zutritt kostet sieben Euro Aufpreis zum regulären Ticket und erfordert eine Zeitfenster-Reservierung.
Wichtig, wenn Sie wegen der Pandas kommen
Pairi Daiza war lange für seine Großen Pandas bekannt, und viele Reiseführer beschreiben sie noch im Plural. Der Stand hat sich geändert. Die drei in Belgien geborenen Jungtiere - Tian Bao sowie die Zwillinge Bao Di und Bao Mei - flogen am 10. Dezember 2024 nach Sichuan, wie es der Leihvertrag mit China vorsieht: In Europa geborene Tiere müssen zurück. Das Weibchen Hao Hao kehrte Anfang Dezember 2025 zur medizinischen Behandlung nach China zurück. Geblieben ist damit allein das Männchen Xing Hui (Stand August 2026). Wer den Ausflug allein wegen der Pandas plant, sollte vorab auf der Seite des Parks nachsehen. Die Leihgabe ist übrigens kein Geschenk: Für einen erwachsenen Panda zahlt der Park rund eine Million Euro im Jahr, für jedes in Gefangenschaft geborene Jungtier zusätzlich 600.000 Euro.
Pairi Daiza
Der größte Tierpark des Landes, mehrfach als bester Zoo Europas ausgezeichnet und mit drei Sternen im Grünen Michelin. Ganzjährig geöffnet, im Sommer bis 23 Uhr.
Walibi Belgium
Der Freizeitpark bei Wavre mit über vierzig Attraktionen, darunter der Megacoaster Kondaa. Nebenan liegt das Wasserparadies Aqualibi mit ganzjährig 29 Grad.
Plopsaland De Panne
Familienpark an der Küste, geprägt von den Figuren des Fernsehproduzenten Studio 100. Mit eigener Haltestelle der Kusttram direkt am Eingang.
Bellewaerde
Bei Ypern gelegene Mischung aus Tierpark und Fahrgeschäften auf 54 Hektar, mit Löwen, Amurtigern und Giraffen. Dazu gehört ein eigener Wasserpark.
Bobbejaanland
Gegründet von einem Sänger, der 1959 einen Sumpf kaufte. Heute Heimat der Achterbahn Fury - 43 Meter hoch und mit 106,6 km/h die schnellste der Benelux-Staaten.
Zoo Antwerpen
Einer der ältesten Zoos Europas, gegründet 1843, direkt neben dem Hauptbahnhof. Sein Ägyptischer Tempel von 1856 ist selbst ein Baudenkmal.
Walibi - ein Park, der aus einem Wasserskilift entstand
Der Ursprung von Walibi ist so belgisch wie unwahrscheinlich. Der Unternehmer Eddy Meeùs hatte die Vertriebsrechte für einen Wasserski-Lift erworben und kaufte Land bei Wavre, um das Gerät vorführen zu können. Am 26. Juli 1975 eröffnete daraus ein Freizeitpark, der zwei Neuheiten auf den europäischen Kontinent brachte: den Wasserski-Lift selbst und das Einheitsticket, mit dem alle Attraktionen abgegolten sind - heute selbstverständlich, damals eine Umstellung.
Aus diesem ersten Park wurde eine Marke, die inzwischen mehrere Standorte in Europa umfasst. Walibi Belgium liegt zwischen den Gemeinden Wavre, Limal und Bierges, zählt über eine Million Besucher im Jahr und wurde zwischen 2018 und 2025 mit einem Investitionsprogramm von rund hundert Millionen Euro umgebaut; etwa drei Viertel der Parkfläche wurden dabei neu gestaltet.
Die bekanntesten Fahrgeschäfte sind der Megacoaster Kondaa mit fünfzig Metern Höhe, der Freifallturm Dalton Terror und die Indoor-Achterbahn Psyké Underground. Das Maskottchen ist ein Wallaby. Nebenan liegt Aqualibi, seit 1987 in Betrieb, mit ganzjährig 29 Grad Wassertemperatur und zehn Rutschen - eine sinnvolle Rückfallebene für die vielen belgischen Regentage.
Plopsaland, oder wie Honig zu einem Freizeitpark wurde
Der Familienpark bei De Panne hat die ungewöhnlichste Vorgeschichte. Der Imker Alberic Florizoone gründete 1925 einen Honigbetrieb namens Meli. Um sein Produkt zu bewerben und Kindern die Bienenzucht zu erklären, ließ er 1935 vom kubistischen Architekten Jozef Denorme einen „Bienenpalast" errichten, der am Ostersonntag desselben Jahres öffnete.
Aus dieser Werbemaßnahme wuchs über Jahrzehnte der Meli-Park mit Vogelpark, Märchenwald und Fahrgeschäften. 1999 verkaufte die Familie den Park an die Fernsehproduktionsfirma Studio 100 und konzentrierte sich wieder auf Honig; im Jahr 2000 eröffnete er als Plopsaland. Am 6. Oktober 2024 begrüßte er seinen 25-millionsten Besucher.
Heute ist er ganz auf Familien mit jüngeren Kindern ausgerichtet und mit den Figuren des Studio-100-Fernsehprogramms bespielt. Für Reisende praktisch: Die Kusttram hält direkt am Eingang, im Sommer alle zehn Minuten, und der Bahnhof De Panne ist zu Fuß erreichbar. Wer ohnehin an der Küste Urlaub macht, braucht dafür kein Auto.
Ein Sänger, ein Sumpf und die schnellste Achterbahn der Benelux
Bobbejaanland in Lichtaart verdankt seinen Namen einem Mann, der in Belgien eine Berühmtheit war: Bobbejaan Schoepen, geboren 1925, war der erste belgische Sänger mit internationalem Erfolg und brachte es auf 495 Lieder und fünf Millionen verkaufte Alben. Sein Künstlername stammt aus einem afrikaansen Lied - „bobbejaan" heißt Pavian.
1959 kaufte er dreißig Hektar Sumpfgelände, ließ es trockenlegen und baute darauf ein Theater mit 1.200 Plätzen und einen 2,2 Kilometer langen künstlichen Strand. Am 31. Dezember 1961 eröffnete er den Park offiziell. 2004 verkaufte er ihn an einen internationalen Betreiber.
Heute ist die Hauptattraktion die Achterbahn Fury: 43 Meter hoch, 106,6 km/h schnell, damit die schnellste in den Benelux-Ländern, mit vier Überschlägen und drei Beschleunigungsphasen auf 600 Metern. Ihre eigentliche Besonderheit ist eine Weltneuheit anderer Art - die Fahrgäste stimmen über die Fahrtrichtung ab. Jeder der zwölf Sitze hat einen Knopf am Sicherheitsbügel, die Mehrheit entscheidet, und bei Gleichstand übernimmt der Computer.
Bellewaerde - Tierpark auf historischem Boden
Bei Ypern liegt ein Park, dessen Standort eine eigene Geschichte hat. Bellewaerde wurde 1954 gegründet und erstreckt sich heute über 54 Hektar mit knapp dreißig Attraktionen und einem Tierbestand, der von Löwen und Amurtigern über Rothschild-Giraffen und Grevyzebras bis zu Flamingos und Pelikanen reicht.
Der Park beteiligt sich an europäischen Erhaltungszuchtprogrammen, und ein Beispiel macht deutlich, worum es dabei geht: Vom Blaukehlara, den Bellewaerde hält, leben in freier Wildbahn nach Angaben des Parks höchstens fünfhundert Tiere. Erfreulicher ist eine Entwicklung, die ohne Zutun geschieht - Weißstörche kehren in den vergangenen Jahren zunehmend von selbst zum Brüten in den Park zurück.
Für Familien ist Bellewaerde die ausgewogenste Mischung im Land: groß genug für einen ganzen Tag, aber überschaubarer als Pairi Daiza, und mit Fahrgeschäften, die auch jüngere Kinder mitfahren lassen. Wer die Schlachtfelder um Ypern besucht und mit Kindern reist, findet hier den notwendigen Ausgleich in wenigen Minuten Entfernung.
Was hinter den Gehegen passiert
Tierparks stehen zu Recht unter Rechtfertigungsdruck, und die belgischen Häuser begegnen ihm mit Zahlen. Pairi Daiza gab nach eigenen Angaben 2025 rund zwei Millionen Euro für 36 Artenschutzprojekte aus und beteiligt sich an 112 europäischen Erhaltungszuchtprogrammen. Dazu kommt eine Aufgabe, die weniger spektakulär ist, aber unmittelbar wirkt: 480 abgegebene oder beschlagnahmte Reptilien und Amphibien wurden aufgenommen, 163 verletzte Wildtiere über die wallonischen Auffangstationen versorgt.
Ein zweiter Bereich ist die Bildungsarbeit. Über 100.000 Schülerinnen und Schüler erreichte der Park im selben Jahr mit Programmen. Ob ein Zoo damit seine Existenz begründen kann, bleibt eine Frage, die jeder Besucher für sich beantworten muss - überprüfbar sind die Zahlen jedenfalls, und sie stehen in der veröffentlichten Jahresbilanz.
Wirtschaftlich ist die Bedeutung dieser Parks für Belgien beträchtlich. Allein Pairi Daiza beschäftigte 2025 über 620 Menschen fest, dazu Saisonkräfte, und die Besucherzahlen wachsen vor allem aus dem Ausland: Aus den Niederlanden kamen 56,9 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr, aus Deutschland 41,8 Prozent mehr. In einer Region wie dem Hennegau, die vom Strukturwandel gezeichnet ist, wiegt das schwer.
Der Zoo, der älter ist als sein Bahnhof
Am 21. Juli 1843 gründeten Jacques Kets und Jan Frans Loos in Antwerpen eine zoologische Gesellschaft - der Zoo, der daraus entstand, gehört zu den ältesten Europas und liegt heute unmittelbar neben dem Hauptbahnhof. Genauer gesagt war er zuerst da: Mit dem Bau des berühmten Bahnhofsgebäudes wurde erst 1895 begonnen.
Aus ursprünglich 1,59 Hektar wuchs die Anlage auf rund zehn Hektar, gestaltet im englischen Landschaftsstil. Ihr eigentlicher Reiz liegt aber in der Architektur: Der Ägyptische Tempel von 1856 wurde nach dem Vorbild der Tempel von Dendera und Philae errichtet, seine Hieroglyphen entstanden nach den Studien des Ägyptologen Richard Lepsius. Dazu kommen ein maurischer Tempel von 1871, ein Vogelhaus von 1893 und ein Festsaal aus den 1890er Jahren.
Der Zoo steht seit 1974 als kulturhistorische Landschaft und seit 1983 als Denkmal unter Schutz. Er beschreibt sich selbst als einen der wenigen erhaltenen Zoos des 19. Jahrhunderts - was bedeutet, dass man dort nicht nur Tiere ansieht, sondern auch, wie das 19. Jahrhundert sich das Ansehen von Tieren vorstellte. Mehr über Antwerpen →
Planung und Anreise
Für Pairi Daiza sollten Sie einen ganzen Tag einplanen, besser zwei - der Park bietet 121 eigene Übernachtungsmöglichkeiten, die 2025 zu über 95 Prozent ausgelastet waren; frühzeitige Buchung ist also Pflicht. Mit dem Zug erreichen Sie den Bahnhof Cambron-Casteau, von dort sind es 1,2 Kilometer zu Fuß, einen Pendelbus gibt es nicht; wer sein Ticket online kauft, bekommt 40 Prozent Rabatt auf die Bahnfahrt. Der Parkplatz kostet 13 Euro. Tickets sind an der Kasse spürbar teurer als online, und die Preise schwanken je nach Wochentag - unter der Woche außerhalb der Ferien fahren Sie am günstigsten. Plopsaland erreichen Sie ohne Auto über die Kusttram, Walibi und Bobbejaanland liegen jeweils an Autobahnen. Hinweise zur Anreise nach Belgien finden Sie unter Reiseinformationen und Autofahren in Belgien.